Verbraucherrecht · · Stefanie Bergmann

Das 14-tägige Widerrufsrecht beim Online-Kauf

Versandkarton mit Paketband und Versandetikett auf einem Tisch
Die Rücksendung beginnt nicht mit dem Karton — sondern mit der formellen Widerrufserklärung.

Das vierzehntägige Widerrufsrecht zählt zu den bekanntesten Verbraucherrechten in der Europäischen Union. Trotzdem kursieren über seinen genauen Geltungsbereich viele Missverständnisse. Wer sich auf das Recht beruft, sollte wissen, wann es greift, wann nicht, und welche Schritte notwendig sind, damit es wirksam ausgeübt wird.

Rechtsgrundlage

Das Widerrufsrecht beim Fernabsatzvertrag stützt sich auf die EU-Verbraucherrechte-Richtlinie 2011/83, in Deutschland umgesetzt in den §§ 312g und 355 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Es gilt für Verträge, die ein Verbraucher mit einem Unternehmer ausschließlich über Fernkommunikationsmittel — also Internet, Telefon, Katalogbestellung — abschließt.

Wichtig: Geschäfte zwischen Privatpersonen, etwa auf Online-Plattformen für Gebrauchtwaren, fallen nicht unter diese Regelung. Auch Käufe in einem stationären Geschäft sind nicht erfasst, selbst wenn die Ware später per Versand zugestellt wird.

Beginn und Dauer der Frist

Die Vierzehntagefrist beginnt nicht mit der Bestellung, sondern mit dem Tag, an dem der Verbraucher die Ware in Besitz nimmt. Wird ein Auftrag in mehreren Teillieferungen ausgeführt, beginnt die Frist erst mit der letzten Teillieferung. Bei reinen Dienstleistungsverträgen läuft sie ab Vertragsschluss.

Hat der Händler den Verbraucher nicht ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht belehrt, verlängert sich die Frist auf bis zu zwölf Monate und vierzehn Tage. Diese Sanktion soll sicherstellen, dass die Information über das Widerrufsrecht ernst genommen wird.

Wie der Widerruf wirksam wird

Der Widerruf muss eindeutig erklärt werden. Dafür reicht eine schriftliche Mitteilung — per E-Mail, Brief oder über ein bereitgestelltes Online-Formular. Das bloße Zurücksenden der Ware ohne ausdrückliche Erklärung ist zwar in der Praxis oft akzeptiert, rechtlich aber nicht ausreichend.

Nach erklärtem Widerruf hat der Verbraucher vierzehn Tage Zeit, die Ware zurückzusenden. Der Händler muss den Kaufpreis innerhalb derselben Frist zurückerstatten, einschließlich der Standard-Versandkosten der Hinlieferung. Die Kosten der Rücksendung trägt allerdings in der Regel der Verbraucher, sofern der Händler nicht freiwillig auf diese Erstattung verzichtet.

Ausnahmen vom Widerrufsrecht

Nicht alle Online-Käufe sind widerrufbar. Das Gesetz nennt mehrere klar definierte Ausnahmen:

Diese Ausnahmen müssen dem Käufer vor Vertragsabschluss klar mitgeteilt werden. Tut der Händler das nicht, kann der Käufer trotz Ausnahme in vielen Fällen widerrufen.

Freiwillige Garantien sind etwas anderes

Viele Händler bewerben „Geld-zurück-Garantien" von dreißig oder sechzig Tagen. Diese sind freiwillig und kommen zum gesetzlichen Widerrufsrecht hinzu — sie ersetzen es aber nicht. Bei Konflikt gilt immer die für den Verbraucher günstigere Regelung. Wer eine solche Garantie nutzen möchte, sollte die Bedingungen genau prüfen, wie wir es im Beitrag zur Geld-zurück-Garantie ausführen.

Was bei internationalen Bestellungen gilt

Bei Bestellungen aus EU-Mitgliedstaaten gilt das Widerrufsrecht uneingeschränkt. Komplizierter wird es bei Käufen aus Drittstaaten — etwa aus den USA oder asiatischen Ländern. Hier ist nicht garantiert, dass europäisches Recht zur Anwendung kommt. Mehr dazu in unserem Beitrag über internationale Lieferungen und Zoll.

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